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Wirtschaftslexikon
über 20.000 Fachbegriffe - aktualisierte Ausgabe 2015
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Derivatefunktionen

Zentrale ökonomische Funktion von Derivaten ist es, Marktpreisrisiken isoliert zu bewerten, zu bündeln und weiterzugeben. Zwar lässt sich ein Risikotransfer häufig auch mit herkömmlichen Finanzinstrumenten realisieren, doch ermöglicht die Verwendung von Derivaten die Steuerung der individuellen Risikoposition mit erheblich geringerem Kapitaleinsatz, da Kauf, Verkauf und Tausch der zu Grunde liegenden Aktiva meist nicht notwendig sind, sondern nur als rechnerische Bezugsgrösse dienen. Aus dieser Transaktionskostenersparnis ergibt sich bei Derivaten eine grosse Hebelwirkung (Leverage). Da Derivate die Tradingmöglichkeiten insofern erweitern, als sie mit zu Grunde liegenden Aktiva verknüpft werden können, ohne dass die Kontraktpartner diese Underlyings besitzen oder sie zu erwerben bzw. auszutauschen beabsichtigen, ergibt sich eine quantitative, die Marktliquidität erhöhende Ausdehnung der Möglichkeiten für Marktoperationen dergestalt, dass die auf ein Underlying bezogene Gesamtposition nicht mehr durch den effektiven Bestand dieses Underlying begrenzt ist. Weil es kostengünstiger ist, in Derivaten als im Kassamarkt zu agieren, werden die Kosten der Einbeziehung neuer Informationen in die Preise verringert. Schliesslich können, wenn Derivatemärkte Informationen schneller zentralisieren und reflektieren als Kassamärkte, jene Märkte einen höheren Liquiditätsgrad realisieren als die Kassamärkte. Folglich können Derivatemärkte informationell die Kassamärkte dominieren und insg. die Markteffizienz erhöhen. Vereinfachend lassen sich als Grundmotive für den Einsatz von Derivaten 3 Ansatzpunkte ableiten, die vor allem auf den Zusammenhang mit anderen Geschäften rekurrieren: So dienen Derivate zum einen der Spekulation auf Preisveränderungen beim Basiswert; in diesem Fall findet ein singuläres derivatives Geschäft statt, sodass eine offene Position eingegangen wird. Hierbei kann der Verzicht auf den Einsatz von Derivaten ebenfalls spekulativen Charakter haben und ist insofern bei einem umfassenden Risikomanagement stets zu berücksichtigen. Derivate können zur Erzielung von Arbitragegewinnen eingesetzt werden; hierbei werden durch 2 - in der Praxis: mehr oder minder - zeitgleiche Geschäfte Preisunterschiede zwischen verschiedenen Märkten bzw. Marktsegmenten ausgenutzt. Typische Beispiele sind die Cash-and-Carry-Arbitrage durch Verkauf von Futures und gleichzeitigem Kauf des Underlying am Kassamarkt und der umgekehrte Fall der Reverse-Cash-and-Carry-Arbitrage unter Tätigung eines Leerverkaufs oder eines Wertpapierleihgeschäfts am Kassamarkt. Derivate sind dadurch, dass sie isolierte Risiken handelbar machen, prädestiniert, im Rahmen des Hedging zur kostengünstigen Absicherung von Preisrisiken eingesetzt zu werden. Hierbei werden zu einer offenen Position solchermassen Transaktionen in Derivaten getätigt, dass der Wert beider Positionen auf das gleiche, die abzusichernde Position negativ beeinflussende Umfeldereignis - eine Marktpreisänderung - in möglichst genau entgegengesetzter Weise reagiert, sodass eine Kompensation der Wirkungen eintritt. Mit Finanzderivaten können individuelle Risikopositionen gemäss individuellen Risikopräferenzen geformt werden. Durch ihren Einsatz für Zwecke des Hedging (Risikoabsicherung) oder Trading (Spekulation, gezielte Risikoübernahme) werden die mit den Basis- (Kassa-)instrumenten verbundenen Risikopositionen verändert und vorher bestehende Handlungsbeschränkungen beseitigt, ohne dass anderswo dadurch neue Risiken entstehen. Im Übrigen ist hierbei auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht positiv zu bewerten, dass die Risiken von solchen Marktteilnehmern übernommen werden, die in der Lage sind, mögliche Verluste aus offenen, d. h. spekulativen Positionen ohne Negativwirkungen für Dritte zu tragen. Dies ist vor dem Hintergrund der Tatsache umso bedeutender, dass mittels Derivaten zusätzliche Risikopositionen aufgebaut werden können, unabhängig von der Umverteilung der bestehenden Marktpreisrisiken. Mit Derivaten können die Eigenschaftsstellen vorhandener Finanzinstrumente so verändert werden, dass neue, bis dahin nicht zur Verfügung stehende Assets entstehen, deren Merkmale hins. Zahlungsstrom und Risikoprofil den Präferenzen einzelner Marktteilnehmer weitgehend entsprechen. Derivatemärkte können zwar nicht elementare Risiken aggregiert transformieren, aber sie ermöglichen eine Umverteilung solcher Risiken zwischen Marktteilnehmern und ökonomischen Sektoren.



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